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NABU-Umwelt-Ranking für Kreuzfahrtschiffe: AIDA und TUI Cruises gehen mit gutem Beispiel voran

Beitrag vom 29. August 2014 – Lars Lakomski

NABU Kreuzfahrt-Ranking 2014In dieser Woche hat der Naturschutzbund Deutschland, NABU, sein aktuelles NABU-Kreuzfahrt-Ranking 2014 veröffentlicht. Das Ranking beruht auf den Angaben der Reedereien und berücksichtigt alle für die nächsten Jahre geplanten Kreuzfahrtschiffe. Und im Vergleich zum Ranking der letzten Jahre sind jetzt deutlich mehr positive Anzeichen dafür zu erkennen, dass sich in der Kreuzfahrt etwas beim Thema Umweltschutz tut. Ich gebe zu, ich habe in den letzten Jahren auch einige Kreuzfahrten auf so manchem Umweltsünder gemacht. Allerdings hatte man bisher auch keine große Wahl, sprich man konnte den Umweltaspekt gar nicht mit einfließen lassen in seine Entscheidung, weil alle Schiffe bei der Abgasentwicklung gleich gut oder besser gesagt schlimm waren.

TUI Cruises setzt ein erstes Zeichen mit der Mein Schiff 3

Aber jetzt kommt etwas Bewegung in das Thema. Die Reederei TUI Cruises hat in diesem Jahr einen wichtigen und richtigen Schritt in Richtung Umweltschutz gemacht. Zwar nutzt auch das neue Kreuzfahrtschiff, die Mein Schiff 3, leider weiterhin noch Schweröl für den Antrieb und hat noch keinen Rußpartikelfilter, aber durch den Einsatz von anderen Filtertechniken ist man jetzt zumindest in der Lage, viele andere schädliche Stoffe, zum Beispiel Schwefel, deutlich zu reduzieren. TUI Cruises setzt aktuell für ihre neuen Kreuzfahrtschiffe auf die Kombination aus Schweröl + Scrubber + SCR-Katalysator und einem Landstromanschluss. Ein Scrubber ist eine Anlage zur Abgasentschwefelung und sorgt für die Entschwefelung der bei der Verbrennung von Treibstoffen an Bord von Schiffen entstehenden Abgase. Weitere Informationen zur Abgasentschwefelung in der Schifffahrt Mittels Scrubber-Technik finden Sie hier. Viele Informationen zum Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz von TUI Cruises kann man auf der Internetseite von TUI Cruises nachlesen.

AIDA geht mit dem Rußpartikelfilter aber noch einen Schritt weiter

Kreuzfahrtschiff AIDAprimaAls Sieger des diesjährigen Umwelt-Kreuzfahrt-Rankings geht aber die deutsche Reederei AIDA hervor. Zwar wird auch bei dem Schiff AIDAprima und dem Schwesterschiff weiterhin noch Schweröl eingesetzt, aber neben den Reinigungstechniken Scrubber + SCR-Katalysator und einem Landstromanschluss will AIDA auf den zukünftigen Neubauten auch einen Rußpartikelfilter zum Einsatz bringen. Gerade dieser Rußpartikelfilter könnte besonders in den Häfen für eine deutliche Entlastung der Luft sorgen. Weitere Informationen zum Umweltschutz von AIDA und dem neuen Schiff AIDAprima finden Sie hier.

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Allerdings kommt diese positive Anwandlung im Bereich der Abgasreinigung bei den Reedereien leider auch nicht von ganz alleine. Vielmehr reagieren die Reedereien mit den neuen Plänen auch auf die verschärften Grenzwertvorgaben der Internationalen Schifffahrtsorganisation IMO. Diese Vorgaben besagen, dass der Schwefelanteil im Treibstoff im Jahr 2015 und 2020 und die Stickoxide im Jahr 2016 deutlich verringert werden müssen. In sensiblen Gebieten wie Häfen, Ost- und Nordsee muss schon jetzt Marinediesel verwendet werden.

Anderen Reedereien ist der Umweltschutz aber wohl egal

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Aber immerhin reagieren die beiden deutschen Kreuzfahrtanbieter auf die zukünftig verschärften Grenzwerte. Dass es auch anders geht, zeigt als ein negatives Beispiel das neue Kreuzfahrtschiff „Quantum of the Seas“ von der Reederei Royal Caribbean. Laut Angaben des NABU soll die US-Reederei Royal Caribbean für den immerhin rund 800 Millionen Euro teuren Giganten keinerlei Abgasbehandlung vorgesehen haben. Das Problem: Das US-amerikanische Unternehmen hat – wie auch Norwegian Cruise Line und Viking Ocean – nicht auf die Anfrage des NABU reagiert. Auf Nachfrage der Redaktion von SPIEGEL-ONLINE erklärte die Reederei, dass wohl ein Scrubber eingebaut werden soll, was immerhin einen halben von vier möglichen Punkten für das NABU-Ranking bringen würde. Aber auf den wichtigen Rußpartikelfilter und einen Stickoxidkatalysator wollen die Amerikaner auch weiterhin erst mal verzichten.

Landstromanschluss im Hafen von Hamburg

Beim Thema Landstromanschluss bin ich aber auch sehr negativ überrascht über die Stadt Hamburg. Ja, man lässt sich öffentlichkeitswirksam dafür feiern, dass man 8,5 Millionen Euro in einen Landstromanschluss und eine schwimmende Stromversorgung per Flüssiggas betriebenem Blockheizkraftwerk investiert. Aber hallo, wer in das Ego-Projekt Elbphilharmonie nach aktuellen Zahlen fast 800 Millionen Euro (größtenteils Steuergelder) investiert, wir reden über ein Projekt, das hauptsächlich den oberen Zehntausend zugutekommt, der sollte sich für im Vergleich lächerliche 8,5 Millionen Euro nicht feiern lassen, sondern in Grund und Boden schämen – finde ich. Denn eine bessere Luft im Hafen kommt allen Menschen zugute, nicht nur einigen wenigen. Im Besonderen auch deshalb, da inzwischen wissenschaftliche Daten belegen, dass die Rußpartikel nicht nur im Hafen verbleiben oder an der Stadtgrenze von Hamburg halt machen, sondern vom Wind auch viele Kilometer ins Landesinnere getragen werden.

Fazit

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Natürlich werde ich auch in Zukunft Kreuzfahrten unternehmen, auch wenn in den nächsten Monaten noch das schlechte Gewissen weiterhin mitfährt. Aber ich finde es sehr gut, dass sich endlich was bewegt beim Thema Umweltschutz. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich in Zukunft bei entsprechender Auswahl auch den Umweltfaktor bei einer Kreuzfahrtbuchung mit einfließen lasse, bei meiner Entscheidung für oder gegen eine Reederei bzw. ein bestimmtes Kreuzfahrtschiff. Traurig finde ich aber die Einstellung von der Reederei Royal Caribbean, denen allem Anschein nach das Thema Umweltschutz egal ist und die nur den Profit vor Augen haben :-(

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